Archiv für Oktober 2010

Nachbereitungs-Reader

Das Antifa-Bündnis „Roter Oktober“ hinterlässt der Nachwelt einen öffentlichen Auswertungstext. Wie lief die Mobilisierung, was hat geklappt am 16. Oktober, was war nicht so toll? Es werden inhaltliche und aktionistische Aspekte einbezogen und mit einem kleinen Pressespiegel abgerundet. Schaut selbst:

Nachbereitungs-Reader (8 Seiten, PDF-Format, 2.7 MB)

Nazis sind in Leipzig grandios gescheitert

Das war wohl nichts! Kaum mehr als 500 Nazis sind heute nach Leipzig gekommen, angekündigt war das Dreifache. Der Tag begann mit einem „Spontan“-Aufmarsch von 60 Nazis in Geithain, 200 erschienen später an der genehmigten Kundgebung neben dem Hauptbahnhof. Im Stadtgebiet gab es weitere überschaubare Nazigrüppchen, die probiert haben, wiederum „spontan“ zu marschieren. Diese Versuche in Grünau, Plagwitz und Sellerhausen waren erfolglos, endeten jeweils nach wenigen hundert Metern. Einige Nazis reisten sogar schon vorzeitig wieder ab.

Dieser Erfolg ist den insgesamt 5000 Gegendemonstrant_innen, darunter viele Antifaschist_innen, zu verdanken, die den Nazis den nötigen Widerstand geleistet haben. Vielen Dank für euer Engagement! Höhepunkte waren mit Sicherheit die Sitzblockade im (!) Hauptbahnhof und die „Einkesselung“ der Odermannstraße. Dort sitzen zur Stunde noch 130 Nazis fest, die sich ins „Nationale Zentrum“ geflüchtet hatten und dort von ihren Kameraden zurückgelassen worden sind.

Wir sind tief betroffen und geloben Wiederholung. Zum Trost ein Lied der Antifaschistin Eva Busch:

Besonders leid tut es uns für jene Kameraden, die diesen „großartigen“ Tag des „nationalen Widerstands“ im Krankenhaus beenden mussten.

…wo ihr sie trefft!

Letztes Update am Freitag

Die Nazis mobilisieren weiter nach Leipzig, wollen sich ab 9 Uhr treffen und kündigen für die Stunden danach „spontane Aktionen“ an. Dass die gescheiterten Anmelder außerdem im Eilverfahren vors Bundesverfassungsgericht (!) ziehen wollen, um irgendeine legale Route zu bekommen, ist vor dem Hintergrund dieser Planungen offensichtlich Staffage.

Für alle AntifaschistInnen heißt dies, sich am morgigen Vormittag bereit zu halten: Begebt euch zu den angemeldeten Gegenkundgebungen oder Infopunkten des Aktionsnetzwerks „Leipzig nimmt Platz“ – wir werden dann aktuell (per Infotelefon, Twitter und dem WAP-Ticker*) über alles Weitere berichten. Wer weiß: Womöglich wird die genehmigte Kundgebung an der Hauptbahnhof-Ostseite (13-17 Uhr) morgen der letzte Zufluchtspunkt der Nazis…

Übrigens haben wir eine Info-Karte (PDF-Datei, 2.4 MB) für euch zusammengestellt, quasi zur ersten Orientierung, falls ihr nicht ortskundig seid. Die Karte beinhaltet alle wichtigen Fakten zu den (nunmehr verbotenen) Naziaufmärschen und Hinweise, wie ihr am Sonnabend an brandaktuelle Informationen kommt. Ihr könnt euch die Karte selber ausdrucken oder in Locations danach fragen. Dennoch solltet ihr überlegen, beim morgendlichen Kiosk-Ausflug in einen „richtigen“ Faltplan zu investieren.

* Lasst euch nicht kirre machen: Der WAP-Ticker funktioniert.

OVG bestätigt: Nur stationäre Kundgebung am Hauptbahnhof ist erlaubt

Soeben hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Bautzen eine – auf diesem Rechtsweg nicht mehr anfechtbare – Entscheidung gegen die Nazianmelder getroffen. Demnach ist am morgigen Sonnabend lediglich eine stationäre Kundgebung am Hauptbahnhof/Ostseite von 13 bis 17 Uhr erlaubt. Das heißt: Alle anderen Routen fallen flach. Ein Abbruch der Nazimobilisierung ist unterdessen nicht zu beobachten – deswegen werden auch alle angekündigten Gegenaktionen stattfinden. Ob die Nazis ihre Ankündigung wahr machen können, im Stadtgebiet „spontan“ zu marschieren, oder am antifaschistischen Widerstand scheitern werden, hängt nun von euch ab. Seid rechtzeitig auf der Straße!

Übrigens hat die Polizei bereits mit Personenkontrollen am Hauptbahnhof begonnen. In mehreren Vierteln der Stadt stehen lange Ketten von Einsatzfahrzeugen. Passt auf euch auf!